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Apulien
( italienisch Puglia ) liegt im Südosten Italiens zwischen dem Golf von Tarent, einer Bucht des Ionischen Meeres, und dem Adriatischen Meer.

Die Region, die sich aus den fünf Provinzen Bari, Brindisi, Foggia, Lecce und Tarent zusammensetzt, wird im Süden von Tiefland, im Norden von Ausläufern der Apenninen eingenommen. Die Testa del Gargano, eine Halbinsel im Nordosten Apuliens, erreicht eine Höhe von etwa 1 000 Metern. Ihre Steilküste ist durch Buchten gegliedert. Gegenüber der Halbinsel liegen die Tremiti-Inseln mit ihren Grotten, Schlössern und Klöstern. Südlich des Gargano erstreckt sich die Tavoliere, eine ausgedehnte, für den Getreideanbau genutzte Ebene, die sich bis zum Fluss Ofanto ausdehnt. Nach Süden schließt zunächst Hügelland an, danach die Ebenen Baris und der salentinischen Halbinsel, wo Oliven, Mandeln und Weintrauben angebaut werden. Die Küste Apuliens ist gesäumt von Fischerdörfern und Badeorten. Zu den zahlreichen bedeutenden Sehenswürdigkeiten gehören u. a. die Höhlen von Castellana, die Meeresgrotte von Polignano und die aus dem 13. Jahrhundert stammende Festung Castel del Monte in Andria. Die wichtigsten Produktionszweige Apuliens sind die Herstellung von Wein und Olivenöl. Verbreitet werden Schaf- und Viehhaltung betrieben. Die Region ist überwiegend trocken. Der Anbau von Mandel- und Ölbaumhainen sowie Getreide- und Tabakfeldern wird durch künstliche Bewässerung ermöglicht. Größere Städte sind Bari (Hauptstadt), Foggia, Lecce und Tarent. Die ursprünglichen Bewohner Apuliens stammten vermutlich aus Illyrien. Ihre Tonerzeugnisse weisen darauf hin, dass sie etwa im 8. Jahrhundert v. Chr. griechischem Einfluss unterstanden. Im 4. Jahrhundert v. Chr. wurde Apulien von Rom erobert, im 2. Punischen Krieg war es Schauplatz eines Sieges des karthagischen Feldherrn Hannibal (216 v. Chr.). Apulien war einer Reihe von Eroberungszügen ausgesetzt, bevor es im 11. Jahrhundert ein Herzogtum der Normannen wurde. Im 13. Jahrhundert schloss es Friedrich II., der Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, an das Königreich Sizilien an. Die Europäer ließen während der Kreuzzüge ihre Schiffe von den Häfen Apuliens aus starten. Das Gebiet war später Teil des Königreiches Neapel, bevor es 1861 dem Königreich Italien angegliedert wurde.

Tarent

( italienisch Taranto ) Hafenstadt in Italien, Hauptstadt der Provinz Tarent, in der Region Apulien, am Golf von Tarent.

Das antike Taras wurde 706 v. Chr. von Kolonisten aus Sparta gegründet und entwickelte sich im 5. Jahrhundert v. Chr. zu einer bedeutenden Handelsstadt in Magna Graecia. Bis 282 v. Chr. war Tarent die bedeutendste, wohlhabendste und größte der griechischen Städte auf dem italienischen Festland. Bis zu diesem Zeitpunkt herrschte zwischen Rom und Tarent Frieden, der u. a. durch beiderseitige Vereinbarungen zur Abgrenzung und Sicherung der jeweiligen Macht- und Interessensphären aufrecht erhalten wurde; so durfte Rom z. B. keine Flotte in den Golf von Tarent entsenden, den Tarent, die größte Flottenmacht in Italien, als sein Einflussgebiet betrachtete. Als Rom nach dem 2. Samnitenkrieg auch im Süden Italiens Fuß fasste und sich damit der tarentinischen Interessensphäre bedrohlich annäherte, kamen jedoch Spannungen zwischen Rom und Tarent auf, die sich zunehmend verschärften und schließlich im Tarentinischen Krieg entluden: 282 v. Chr. rief die griechische Stadt Thurioi an der Südseite des Golf von Tarent Rom gegen die Lukaner zu Hilfe; Rom entsandte eine Flotte in den Golf von Tarent und verletzte damit die Vereinbarung mit Tarent, woraufhin Tarent die römische Flotte versenkte und die Römer aus Thurioi vertrieb. Zugleich wandte sich Tarent an König Pyrrhos I. von Epirus um Unterstützung. Der landete Anfang 280 v. Chr. mit 25 000 Söldnern in Süditalien, schlug noch im selben Jahr die Römer bei Herakleia am Golf von Tarent auf halber Strecke zwischen Tarent und Thurioi und errang 279 v. Chr. einen weiteren, allerdings mit schweren Verlusten erkauften Sieg (den so genannten Pyrrhossieg) bei Ausculum in Apulien. Anschließend unterbreitete er Rom ein Friedensangebot, aber Rom lehnte auf Betreiben des Appius Claudius Caecus ab und verbündete sich mit Karthago. 278 v. Chr. setzte Pyrrhos nach Sizilien über, siegte mehrfach über die Karthager und drängte sie in den Westen der Insel zurück. 276 v. Chr. kehrte er auf das Festland zurück, wurde 275 v. Chr. bei Beneventum (heute Benevento) von den Römern entscheidend geschlagen und zog sich daraufhin nach Tarent und von dort aus nach Epirus zurück. 272 v. Chr. ergab sich Tarent schließlich den Römern, die nun ihre Herrschaft in Unteritalien entscheidend ausbauen und festigen konnten.

Im Jahr 123 v. Chr. wurde Tarent (Tarentum) römisch. Durch die Gotenkriege geriet die Stadt 540 n. Chr. unter die Herrschaft des Byzantinischen Reiches. 661 wurde sie von den Langobarden, danach von den Sarazenen und 1063 von dem Normannen Robert Guiscard erobert. Ab 1282 teilte Tarent das Schicksal des Königreiches Neapel.

Tarent verfügt heute über einen wichtigen Handels- und Marinehafen. Tarent ist Sitz eines Erzbischofs, eines meteorologischen Observatoriums und eines meereskundlichen Instituts.

Die mittelalterlich geprägte Altstadt (Città Vecchia) erstreckt sich auf einer Insel zwischen der Lagune Mare Piccolo und der Hafenbucht Mare Grande. Die Stadt hat nur wenige bauliche Reste aus der Antike vorzuweisen, zahlreiche Exponate aus jener Zeit finden sich dagegen im Museo Archeologico Nazionale. Zu den Sehenswürdigkeiten der Altstadt gehören der 1071 fertig gestellte Dom, der in der Folgezeit mehrfach umgebaut wurde, die Kirche San Domenico Maggiore (11. Jahrhundert) mit einer später angebrachten barocken zweiflügeligen Freitreppe und das von Ferdinand I. von Aragonien erbaute Kastell aus dem 15. Jahrhundert im Osten der Altstadt.

Brindisi

( antikes Brundisium ) Stadt im südlichen Italien, Hauptstadt der Provinz Brindisi in der Region Apulien, ein Seehafen am Adriatischen Meer.

Die Stadt ist ein wichtiges Handelszentrum für das östliche Mittelmeer. Ein erwähnenswertes Bauwerk ist u. a. ein Palast, der im 13. Jahrhundert von Kaiser Friedrich II. erbaut wurde. In früheren Zeiten war die Stadt ein wichtiger Marinehafen für das römische Imperium. Die Via Appia, eine Straße, die direkt von Rom herführte, endete in Brindisi zwischen zwei Säulen, von denen eine Säule heute noch steht. Die Stadt erlebte ihren Niedergang mit dem Untergang des Römischen Reiches. Wiederholt zerstört von den Sarazenen, wurde sie im 11. Jahrhundert erneut aufgebaut und diente während der Kreuzzüge als Einschiffungsort der Kreuzritter. Mit der Eröffnung des Suezkanals im Jahr 1869 wurde es zu einem Durchgangshafen für Schiffe, die nach Ostasien fuhren oder von dort kamen. Während des 1. Weltkrieges war Brindisi eine wichtige Marinestation.

Lecce

( in der Antike Lupiae ) Hauptstadt der gleichnamigen Provinz in Apulien (Süditalien). Die Stadt ist Straßen- und Eisenbahnknotenpunkt einer Agrarregion. Es werden Zigaretten, Spielzeug, Keramik, Glas, Möbel, Wein sowie Messingwaren hergestellt. Das Stadtbild von Lecce ist von diversen Barockbauten geprägt. Im 6. Jahrhundert wurde der Ort von den Goten zerstört. In den folgenden Jahrhunderten war Lecce von Byzantinern, Langobarden und Sarazenen umkämpft. Die Stadt stand von 1053 bis 1463 unter der Herrschaft normannischer und angevinischer Könige. Unter dem Königreich Neapel erreichte Lecce im 16. und 17. Jahrhundert seinen kulturellen Höhepunkt.

Bari

ist ein Handelszentrum, das einen ausgedehnten Handel mit den Häfen der Länder des östlichen Mittelmeeres betreibt. Alljährlich findet in Bari die Fiera del Levante, die Levantemesse, statt. Die Stadt ist Sitz eines Erzbischofs und einer Universität.

Die verwinkelte Altstadt liegt an einem Vorgebirge, das den alten und neuen Hafen voneinander trennt. Hier befinden sich zwei bemerkenswerte Kirchen: die Basilika San Nicola aus dem 11./12. Jahrhundert, eine der ersten großen normannischen Kirchen Apuliens, und die Kathedrale aus dem späten 12. Jahrhundert. Sehenswert ist auch das 1233 von Stauferkaiser Friedrich II. errichtete Kastell, das im 16. Jahrhundert umgestaltet wurde.

Die byzantinische Stadt wurde von 840 bis 871 von den Sarazenen beherrscht, bevor sie wieder byzantinisch wurde. 1071 wurde sie von den Normannen erobert und später unter den Staufern zu einer bedeutenden Hafenstadt ausgebaut. 1558 kam sie an das Königreich Neapel.

Cannae

( antike Stadt ) in Apulien nahe der Mündung des Flusses Aufidus (heute Ofanto). Der Ort wurde besonders durch die Schlacht von Cannae (216 v. Chr.) während des 2. Punischen Krieges bekannt, in der das karthagische Heer unter Hannibal die zahlenmäßig weit überlegenen römischen Streitkräfte unter der Führung von Lucius Aemilius Paullus und Gaius Terentius Varro durch eine kluge Einkesselungstaktik besiegte.

Foggia

Stadt im Süden Italiens, Hauptstadt der Provinz Foggia in der Region Apulien. Foggia ist ein Verkehrsknotenpunkt inmitten des fruchtbaren apulischen Tieflandes. Die Stadt ist führender Weizenumschlagplatz in Süditalien. Schon seit Jahrhunderten wird der Weizen in Gewölben am Marktplatz gelagert. Hauptindustriezweige sind die Textil- und Nahrungsmittelindustrie. 1731 wurde Foggia durch ein Erdbeben schwer zerstört. Die Kathedrale (Baubeginn im 12. Jahrhundert) wurde danach weitestgehend im Barockstil wieder aufgebaut. Im 2. Weltkrieg wurde die Stadt von den Alliierten bombardiert. Foggia ist die Heimat von Padre Pio.

Geschichte Apuliens in Stichworten

  • 6. Jhd. v.Chr. · im heutigen Apulien siedeln die Peuketier und Messapier
    263 v.Chr. · die Peuketier und Messapier werden Bundesgenossen Roms
    ca. 400 n.Chr. · Eroberung durch die Ostgoten
    476 · Absetzung des letzten römischen Kaisers Romulus Augustulus, Ende des (West)Römischen Reiches, Apulien gehört bis 493 zum Reich des Odoaker
    bis 565 · Eroberung durch Byzanz (Ostrom), später Byzantinische Provinz
    568/569 · Langobarden erobern einen großen Teil Süditaliens, so auch Teile Apuliens, und gründen das Herzogtum Benevent, der Südteil Apuliens bleibt Byzantinische Provinz
    1049 · normannische Eroberung
    1130 · Unteritalien mit den langobardischen Fürstentümern, der Stadt Neapel, und den von den Byzantinern verlassenen normannischen Gebieten, so auch Apulien, werden mit dem normannischen Königreich Sizilien vereinigt, seit dem: Königreich beider Sizilien

    1194 · das Königreich beider Sizilien kommt an das Haus Hohenstaufen
    1266 · das Königreich beider Sizilien kommt an das Haus Anjou, Neapel wird ständige Hauptstadt des Reiches
    1282 · "Sizilianische Vesper" – durch einen Volksaufstand kommt Sizilien an das Haus Aragón, Unteritalien verbleibt als Königreich Neapel bis 1442 bei Anjou
    1495 · das Königreich Neapel wird französischer Besitz
    1529 · das Königreich Neapel wird Besitz des Hauses Habsburg
    1556 · das Königreich Neapel kommt an die spanische Linie des Hauses Habsburg
    1701–1714 · Spanischer Erbfolgekrieg
    1714 · Friedensvertrag von Utrecht, das Königreich Neapel und das Königreich Sardinien kommen an die österreichischen Habsburger, Savoyen-Piemont erwirbt Sizilien
    1720 · das Haus Savoyen-Piemont tauscht mit Österreich Sizilien gegen Sardinien, das Königreich Sizilien kommt somit an das Haus Habsburg (Königreich Neapel-Sizilien)
    1734 · das Haus Habsburg überlässt das Königreich Neapel-Sizilien dem Haus der spanischen Bourbonen
    1796 · Italienfeldzug Napoléons, Unteritalien wird 1799 Parthenopäische Republik und 1800 wieder Königreich Neapel, wird jedoch bis 1814 von Napoléons Verwandten regiert, Sizilien bleibt beim Haus Bourbon
    1815 · Wiener Kongress, Wiederherstellung des Königreichs beider Sizilien unter den spanischen Bourbonen
    1860 · Garibaldis Feldzug gegen das Königreich beider Sizilien
    1861 · das Königreich beider Sizilien muss sich dem Königreich Italien anschließen
    1947 · Gründung der Region Apulien als Verwaltungseinheit